Pressetext: Spielend lernen

Neu ist das Prinzip zwar nicht – doch noch immer eine der erfolgreichsten Lehrmethoden. Schon 1906 verwirklichte der Reformpädagoge Berthold Otto den damals revolutionären Ansatz, Kinder spielerisch lernen zu lassen.

Das Konzept setzte sich trotz anfänglicher Kritik durch, wurde in den 1970er Jahren verfeinert und zählt heute zu den wegweisenden Methoden im Unterricht. Was bislang fehlte? Neue Ideen bei der Umsetzung des Prinzips “Spielend lernen”. Und die Erkenntnis, dass es in vielen Bereichen an pädagogischen Umsetzungen fehlt. Beispielsweise beim Deutsch-Unterricht für Kinder mit Migrationshintergrund.

Eine Erkenntnis, die Angesom Phil Tesfai schon lange hatte. Aber er hatte eben auch eine Idee, wie Migranten-Kinder spielerisch an die deutsche Sprache herangeführt werden können. Tesfai entwickelte das “ABCgolf’n'goal”-Spiel.

Die Idee ist ebenso einfach wie bestechend. Die Kinder spielen eine Art Minigolf und müssen dabei sprachliche Aufgaben lösen – alleine oder im Team. “Das Spiel gibt es in zwei Varianten”, erläutert Tesfai. “Als Tischvariante für den Einsatz im Klassenzimmer oder als große Variante, die auf dem Schulhof gespielt werden kann.” Die erste Variante wird mit Murmeln auf einem Brett gespielt. Ziel des Spiels ist es, mit den Murmeln eine Lochbahn am Ende des Brettes zu treffen. Trifft man (und man trifft eigentlich immer), bekommt man eine Sprach-Aufgabe gestellt, die sich auf einer Scheibe befindet.

So lernen die Kinder deutsche Begriffe, die richtige Grammatik und die korrekte Anwendung. Die Outdoor-Variante folgt dem gleichen Prinzip, nur sieht das Spiel wie eine Mini-Golf-Bahn aus. Folgerichtig wird “ABCgolf’n'goal” auf dem Schulhof auch mit Golfschlägern und Golfbällen gespielt. “Bei dieser Variante wird der Bewegungsfaktor verstärkt. Dabei haben die Kinder noch mehr Spaß”, berichtet Thomas Windt, der für das Marketing und den Vertrieb bei “ABCgolf ‘n’goal” zuständig ist.

Eine gute Idee also, auch die Herstellung der Spiele genügt hohen Anforderungen. “Die Spiele werden aus hochwertigem Holz gefertigt. Und die Scheiben sind aus langlebigen und abwaschbaren Materialien hergestellt, die einen dauerhaften Einsatz erlauben”, so Thomas Windt.

Was anfangs fehlte, war die pädagogische Ausrichtung. Da haben sich Tesfai und Windt professioneller Hilfe bedient. Das Büro für interkulturelle Arbeit der RAA Essen zeichnet für die sprachdidaktische Entwicklung der zum Starterset gehörenden Themenfelder verantwortlich. Und Prof. Dr. Tassilo Knauf von der Universität Essen/Duisburg hat zwei seiner Studentinnen mit der Evaluierung des Spiels beauftragt. Künftig sollen verschiedene Unterrichtsfächer bei dem Spiel zum Einsatz kommen. Momentan entsteht eine Variante für das Fach Englisch in der Grundschule. “Da die Lochscheiben leicht auszuwechseln sind, kann das Spiel unendlich erweitert werden. Und dabei lassen sich immer wieder neue Lernziele definieren”, sagt Angesom Phil Tesfai.

“ABCgolf’n'goal” hat seine ersten Praxistests bereits erfolgreich hinter sich gebracht. Das Spiel wird in zahlreichen Schulen im Ruhrgebiet eingesetzt. So auch auf der Gervinus-Schule in Essen. Bekir, der in die dritte Klasse geht, nimmt am Förderunterricht “Deutsch als Zweitsprache” teil, wo die Lehrerin Larissa Mücke das Spiel nun nutzt. “Es ist toll, dass wir uns in der Mannschaft Tipps geben können, wenn jemand nicht weiter kommt”, sagt Bekir. Und Roida ergänzt. “Wir spielen und lernen etwas dabei. das finde ich gut”.

Am Ende der Stunde haben die Schüler Verbformen im Präsens und im Präteritum gelernt. Eigentlich gar nicht so einfach für Kinder aus Migrantenfamilien. Aber dieses Mal ging alles ganz leicht. Und die Kinder hatten noch Spaß. Spielend gelernt eben.

Info

Das Spiel fand bei der Vorstellung auf dem 3. Integrationskongress des Landes Nordrhein-Westfalen in Solingen ebenso hohen Anklang wie bei der Präsentation auf der Leipziger Buchmesse. Inzwischen arbeiten die Erfinder auch mit dem Bundesverband Alphabetisierung und Grundbildung e.V. in Münster zusammen.